T 1.2 Nr. 80 "WELLE" im Betriebswerk Oldenburg

1871: Tenderlokomotive für den Verschiebedienst

T 1.2 Nr. 80 "WELLE" im Betriebswerk Oldenburg
T 1.2 Nr. 80 „WELLE“ im Betriebswerk Oldenburg

Beschreibung der Lokomotiven

Neben den B-Lokomotiven für den Personen- und Güterverkehr wurden für den Verschiebedienst und die Beförderung von Bauzügen kleine B-Tenderlokomotiven nach eigenen Entwürfen beschafft. Zunächst wurden zwei Lokomotiven in der Eisenbahn-Hauptwerkstätte in Oldenburg gebaut, nach den guten Erfahrungen weitere zehn. Überhöhte Preisforderungen der Lokomotivfabriken in den Gründerjahren nach 1871 hatten dazu geführt, dass man einen Teil der Lokomotiven selbst herstellte.

Die Lokomotiven wurden ununterbrochen fast 21 Jahre lang beschafft, ein Zeichen für die Zufriedenstellung der Bedürfnisse. An den Lieferungen waren die Fabriken Krauss mit vier und Hohenzollern mit 18 Maschinen beteiligt. Aus der Oldenburger Werkstätte kamen insgesamt 12 Lokomotiven.

Während des langen Zeitraumes der Beschaffung ist die Leistungsfähigkeit immer wieder verbessert worden. Ab 1888 wurde der Kesseldruck auf 12 bar erhöht, der Zylinderdurchmesser um 5 mm vergrößert und die Treibräder auf einen Durchmesser von 1130 mm gebracht. Größere Vorräte und ein höherer Achsdruck erlaubten die Heraufsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf 45 km/h. So wurden die kleinen Tenderlokomotiven zu Recht leistungsfähigen Maschinen.

Äußerlich fielen die Lokomotiven durch die Form des Führerhausdaches auf; es war nicht nach den Seiten hin gewölbt, sondern nach vorne und hinten. Im Führerhaus selbst muss es bei Besetzung mit zwei Männern sehr eng zugegangen sein.

Von den 34 Lokomotiven, die bis 1892 beschafft wurden, kamen 1918 zwei an die Kleinbahn Zwischenahn-Edewecht, weitere zwei an die Kleinbahn Vechta-Cloppenburg. In dem vorläufigen Umzeichnungsplan der Deutschen Reichsbahn sind noch sechs Maschinen enthalten, endgültig übernommen wurden aber nur fünf, von denen die letzten drei nach über 40 Dienstjahren im Jahre 1933 ausgemustert wurden.


Technische Daten der Lokomotiven

BauartB-n2
Baujahr1871 – 1892
Länge über Puffer6436 mm
Höchstgeschwindigkeit? km/h
Treib- / Kuppelraddurchmesser1020 mm
Laufraddurchmesser vorn
Laufraddurchmesser hinten
Zylinderdurchmesser250 mm
Kolbenhub500 mm
Rostfläche0,59 qm
Heizfläche37 qm
Kesselüberdruck10 bar
Leergewicht11,5 t
Dienstgewicht17,2 t
Reibungsgewicht17,2 t
Tender

Skizze der Lokomotiven

Auf der Skizze sind die unterschiedlichen Bauformen der T 1.2 aus den unterschiedlichen Baulosen zu erkennen. Quelle: Krauth: Dampflokverzeichnis der Oldenburgischen Staatsbahn, 1968
Auf der Skizze sind die unterschiedlichen Bauformen der T 1.2 aus den unterschiedlichen Baulosen zu erkennen. Quelle: Krauth: Dampflokverzeichnis der Oldenburgischen Staatsbahn, 1968

Verzeichnis der Lokomotiven

HerstellerFabrik-
Nummer
BaujahrG.O.E.-
Nummer
G.O.E.-
Name
DR
Nummer
Bemerkung
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg1187147SCHNIPP
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg2187148SCHNAPP
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg3187149SCHNURR
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg4187250HIN
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg5187251HER
Krauss140187152KURZ
Krauss141187153KLEIN
Krauss142187154ABEL
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg6187355BURR
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg7187356TICK
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg8187357TACK
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg9187358TUCK
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg10187359PUCK
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg11187360MUCK
Eisenbahnwerkstätte Oldenburg12187361SCHNUCK
Krauss143187162HOLMgebaut für Eutin Lübecker EB,
1873 angekauft
Hohenzollern440188867GEEST1922 an Klb. Vechta-Cloppenburg
Hohenzollern441188868MOOR1922 an Klb. Vechta-Cloppenburg
Hohenzollern442188869MARSCH98 7401ausgemustert 1921
Hohenzollern443188870WATTausgemustert 1918
Hohenzollern469188871DEICHausgemustert 1921
Hohenzollern470188872SIELausgemustert 1921
Hohenzollern471188873WALDausgemustert 1921
Hohenzollern519188974ESCHausgemustert 1921
Hohenzollern520188975WARFausgemustert 1921
Hohenzollern521188976TIEF98 7402ausgemustert 1933
Hohenzollern576189080WELLE98 7403
Hohenzollern577189081DÜNE1922 an Klb. Vechta-Cloppenburg,
ausgemustert 1928
Hohenzollern578189082PRIELEausgemustert 1921
Hohenzollern579189083AUEausgemustert 1921
Hohenzollern580189084TIDE1918 an Klb. Zwischenahn-Edewecht,
ausgemustert 1925
Hohenzollern677189292KAMP98 7404
Hohenzollern678189293WISCHausgemustert 1921
Hohenzollern679189294HEIDE98 7405ausgemustert 1928

Weitere Bilder der Lokomotiven

T 1.2 Nr. 47 "SCHNIPP"
T 1.2 Nr. 47 „SCHNIPP“
Die Lokomotive Nr. 57 "TACK", gebaut 1873 in den Eisenbahnwerkstätten Oldenburg mit der Nummer 8
Die Lokomotive Nr. 57 „TACK“, gebaut 1873 in den Eisenbahnwerkstätten Oldenburg mit der Nummer 8
T 1.2 Nr. 61 "SCHNUCK"
T 1.2 Nr. 61 „SCHNUCK“
T 1.2 Nr. 62 "HOLM" auf einer Werksaufnahme von Krauss in München
T 1.2 Nr. 62 „HOLM“ auf einer Werksaufnahme von Krauss in München
Die Lokomotive Nr. 72 "SIEL" im westlichen Bahnhofsvorfeld von Oldenburg. Im Hintergrund das Gaswerk.
Die Lokomotive Nr. 72 „SIEL“ im westlichen Bahnhofsvorfeld von Oldenburg. Im Hintergrund das Gaswerk.
Die Lokomotive Nr. 76 "TIEF" mit ihrer Besatzung
Die Lokomotive Nr. 76 „TIEF“ mit ihrer Besatzung
T 1.2 Nr. 80 "WELLE" bereits mit der Reichsbahnnummer 98 7403
T 1.2 Nr. 80 „WELLE“ bereits mit der Reichsbahnnummer 98 7403
T 1.2 Nr. 80 "WELLE" mit der Reichsbahnnummer 98 7403
T 1.2 Nr. 80 „WELLE“ mit der Reichsbahnnummer 98 7403

Auch interessant

Die Lokomotive Nr. 11 "LANDWÜHRDEN" war die erste von Krauss in München gebaute Lokomotive. In Oldenburg erhielt sie 1894 noch einen Ersatzkessel, wurde dann aber 1900 ausgemustert. Krauss kaufte sie seinerzeit zurück und rstaurierte sie. Heute ist die Lokomotive im Deutschen Museum in München zu besichtigen, leider ohne Tender.

1867: Lokomotive für den gemischten Dienst

Die Lokomotive Nr. 11 "LANDWÜHRDEN" war die erste von Krauss in München gebaute Lokomotive. In Oldenburg erhielt sie 1894 noch einen Ersatzkessel, wurde dann aber 1900 ausgemustert. Krauss kaufte sie seinerzeit zurück und restaurierte sie. Heute ist die Lokomotive im Deutschen Museum in München zu besichtigen, leider ohne Tender.
Die Lokomotive Nr. 11 „LANDWÜHRDEN“ war die erste von Krauss in München gebaute Lokomotive. In Oldenburg erhielt sie 1894 noch einen Ersatzkessel, wurde dann aber 1900 ausgemustert. Krauss kaufte sie seinerzeit zurück und restaurierte sie. Heute ist die Lokomotive im Deutschen Museum in München zu besichtigen, leider ohne Tender.

Beschreibung der Lokomotiven

Nach den Entwürfen des Obermaschinenmeisters Krauss, der für die schweizerische Nord-Ost-Bahn bereits zweiachsige Lokomotiven gebaut hatte, bestellte man bei Hartmann in Chemnitz sechs Lokomotiven, die noch 1866 geliefert wurden. Weitere 40 Maschinen wurden von Krauss, der inzwischen in München eine eigene Lokomotivfabrik gegründet hatte, Wöhlert in Berlin und Hohenzollern in Düsseldorf bis 1877 geliefert. In den Jahren 1889/91 wurden nochmals acht Maschinen nachbeschafft, deren vergrößerter Achsstand die Erhöhung der Geschwindigkeit auf 75 km/h erlaubte.

Die Lokomotiven erhielten sämtlich Kessel ohne Dampfdom, stattdessen hatten sie ein innenliegendes Dampfsammelrohr. In späteren Jahren wurden noch Sandstreuer und Zentralschmierung angebracht.

Die von Hohenzollern 1876/77 gefertigten Lokomotiven erhielten in den neunziger Jahren neue, leistungsfähigere Kessel, zwei weitere ankerlose Kessel mit Wellrohrfeuerbüchse der Bauart Lentz, die sich jedoch nicht bewährten.
Bis 1875 wurde bei der Oldenburgischen Staatsbahn ausschließlich Torf aus den heimischen Mooren gefeuert. Die gedeckten Torftender hatten im Dach Klappen zum Beladen, der Wasserkasten war ganz im unteren Rahmen untergebracht. Tender und Lok wurden durch eine Querkupplung der Bauart Wolff verbunden, wodurch für die für eine kleine Lok verhältnismäßig hohe Geschwindigkeit von 60 km/h erreicht werden konnte.

Bemerkenswert ist, daß im Jahre 1878 vier Lokomotiven in Tenderlokomotiven der Gattung T1 umgebaut wurden.
Die Maschinen der Gattung G1 bewährten sich außerordentlich gut, was dazu führte, dass die letzten erst 1925 ausgemustert wurden. Die Lokomotive „Landwührden“ war die erste von Krauss gefertigte; sie wurde nach ihrem Ausscheiden im Jahre 1900 zurückgekauft und dem Deutschen Museum in München überwiesen. Noch heute ist sie, allerdings ohne Tender, zu bewundern.


Technische Daten der Lokomotiven

BauartB-n2
Baujahr1866 – 1891
Länge über Puffer13285  mm
Höchstgeschwindigkeit60 km/h
Treib- / Kuppelraddurchmesser1520 mm
Laufraddurchmesser vorn
Laufraddurchmesser hinten
Zylinderdurchmesser360 mm
Kolbenhub560 mm
Rostfläche1,0 qm
Heizfläche87,0 qm
Kesselüberdruck10 bar
Leergewicht19,5 t
Dienstgewicht22,5 t
Reibungsgewicht22,5 t
Tender2 T 5,5

Skizze der Lokomotiven

Hier eine Skizze der unterschiedlichen Ausführungen der G 1 wie sie in den unterschiedlichen Zeiträumen beschafft wurde.
Quelle: Krauth: Dampflokverzeichnis der Oldenburgischen Staatsbahn, 1968
Hier eine Skizze der unterschiedlichen Ausführungen der G 1 wie sie in den unterschiedlichen Zeiträumen beschafft wurde. Quelle: Krauth: Dampflokverzeichnis der Oldenburgischen Staatsbahn, 1968

Verzeichnis der Lokomotiven

HerstellerFabrik-
Nummer
BaujahrG.O.E.-
Nummer
G.O.E.-
Name
DR
Nummer
Bemerkung
Hartmann28818661OESTRINGENausgemustert vor 1913
Hartmann28918662STADLANDausgemustert vor 1912
Hartmann29018663STEDINGENausgemustert vor 1912
Hartmann29118664WANGERLANDausgemustert vor 1912
Hartmann29218665SAGTERLANDausgemustert vor 1914
Hartmann29318666AMMERLANDausgemustert vor 1912
Krauss218677BUTJADINGENausgemustert vor 1912
Krauss318678MÜNSTERLANDausgemustert vor 1914
Krauss418679RÜSTRINGENausgemustert vor 1912
Krauss5186710MOORIEM ausgemustert vor 1913
Krauss1186711LANDWÜHRDEN1884 Ersatzkessel
ausgemustert 1900
museal erhalten
Krauss36186812WANGEROOGausgemustert vor 1918
Krauss43186913HARLINGERLANDausgemustert vor 1914
Krauss44186914NESSERLANDausgemustert vor 1915
Krauss45186915LEEDINGERLAND ausgemustert vor 1915
Krauss46186916RHEIDERLANDausgemustert vor 1914
Krauss47186917GRONINGERLANDausgemustert vor 1918
Wöhlert48186918FRIESLAND1890 Lentz-Kessel eingebaut
ausgemustert 1897
Wöhlert425187319HUNTE
Wöhlert426187320WESER
Wöhlert427187321OLLEN
Wöhlert428187322HEETE
Wöhlert429187323LIENE1878 Umbau in Tenderloks (T1)
Wöhlert430187324JADE1879 Umbau in Tenderloks (T1)
Wöhlert431187325AHNE1880 Umbau in Tenderloks (T1)
Wöhlert432187326WAPEL1881 Umbau in Tenderloks (T1)
Hohenzollern22187627OCHTUMausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern23187628DELMEausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern24187629WELSEausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern25187630LETHEausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern26187631HAARENausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern27187632MADEausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern28187633HAASEausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern29187634MARKAausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern30187635SOESTEausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern31187636LEDAausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern32187637VERNEausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern33187638DREPTEausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern34187639HOHENZOLLERNausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern35187640ORANIENausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern51187741ELSEausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern52187742DÜTEausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern53187743LAHE
Hohenzollern54187744JÜMMEausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern55187745EMSausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern56187746DINKELausgemustert 1923 – 1925
Hohenzollern522188977SPIEKEROOGausgemustert 1911
Hohenzollern523188978NORDERNEYausgemustert 1914
Hohenzollern524188979BORKUMausgemustert 1911
Hohenzollern615189187HELGOLANDausgemustert vor 1918
Hohenzollern616189188LANGEOOGausgemustert vor 1918
Hohenzollern617189189BALTRUM
Hohenzollern618189190JUIST
Hohenzollern619189191ROTTUM

Weitere Bilder der Lokomotiven

Die Nr. 11 "LANDWÜHRDEN", gebaut als erste lokomotive bei Krauss in München auf einer französischen Postkarte. Hier wird sie als fälschlicherweise als Lok der Bayrischen Staatsbahn ausgewiesen, was sich wohl auf den von dort stammenden Hersteller zurückführen lässt.
Die Nr. 11 „LANDWÜHRDEN“, gebaut als erste lokomotive bei Krauss in München auf einer französischen Postkarte. Hier wird sie als fälschlicherweise als Lok der Bayrischen Staatsbahn ausgewiesen, was sich wohl auf den von dort stammendem Hersteller zurückführen lässt.
Die Lokomotive Nr. 8 "MÜNSTERLAND", gebaut 1867 von Krauss in München mit der Fabriknummer 3. Die Maschine ist noch mit dem typischen gedeckten Torftender gekuppelt. Ab Mitte der 1870er Jahre wurde zunehmend auf Kohlenfeuerung umgestellt, in diesem Zuge wurden auch die Tender umgebaut, wie z.B. auf dem Bild unten der "BORKUM" zu sehen. Die "MÜNSTERLAND" wurde nach fast 50 Betriebsjahren um 1914 ausgemustert.
Die Lokomotive Nr. 8 „MÜNSTERLAND“, gebaut 1867 von Krauss in München mit der Fabriknummer 3. Die Maschine ist noch mit dem typischen gedeckten Torftender gekuppelt. Ab Mitte der 1870er Jahre wurde zunehmend auf Kohlenfeuerung umgestellt, in diesem Zuge wurden auch die Tender umgebaut, wie z.B. auf dem Bild unten der „BORKUM“ zu sehen. Die „MÜNSTERLAND“ wurde nach fast 50 Betriebsjahren um 1914 ausgemustert.
Die Nummer 36 "LEDA" wurde unter der Fabriknummer 32 von Hohenzollern gebaut. Im Vorläufigen Umzeichnungsplan noch für die Nummer 51 7010 vorgesehen, wurde sie jedoch zwischen 1923 und 1925 ausgemustert.
Die Nummer 36 „LEDA“ wurde unter der Fabriknummer 32 von Hohenzollern gebaut. Im Vorläufigen Umzeichnungsplan noch für die Nummer 51 7010 vorgesehen, wurde sie jedoch zwischen 1923 und 1925 ausgemustert.
Die Abbildung zeigt die Nr. 18 "FRIESLAND", die 1869 von Krauss in München mit der Fabriknummer 48 gebaut wurde. 1890 wurde versuchsweise ein Kessel mit Wellrohrfeuerung Bauart Lentz eingebaut, der sich aber nicht bewährte. Erkennbar ist die Kesselbauart an dem vor dem Führerhaus ansteigenden Kessel. Die Maschine wurde um 1897 ausgemustert.
Die Abbildung zeigt die Nr. 18 „FRIESLAND“, die 1869 von Krauss in München mit der Fabriknummer 48 gebaut wurde. 1890 wurde versuchsweise ein Kessel mit Wellrohrfeuerung Bauart Lentz eingebaut, der sich aber nicht bewährte. Erkennbar ist die Kesselbauart an dem vor dem Führerhaus ansteigenden Kessel. Die Maschine wurde um 1897 ausgemustert.
Die 1876 von Hohenzollern unter der Fabriknummer 30 gebaute "SOESTE" (Bahnnummer 35) vor einem Zug im oldenburgischen. Im vorläufigen Umzeichnugsplan erhielt die Lok noch die Nummer 51 7009, wurde aber bereits zwischen 1923 und 1925 ausgemustert.
Die 1876 von Hohenzollern unter der Fabriknummer 30 gebaute „SOESTE“ (Bahnnummer 35) vor einem Zug im oldenburgischen. Im vorläufigen Umzeichnugsplan erhielt die Lok noch die Nummer 51 7009, wurde aber bereits zwischen 1923 und 1925 ausgemustert.
Eine weitere Ansicht mit der Nr. 36 "LEDA", diesmal vermutlich in der Ausbesserungswerkstätte in Oldenburg. Ein Teil der Belegschaft posiert vor und auf der Lokomotive.
Eine weitere Ansicht mit der Nr. 36 „LEDA“, diesmal vermutlich in der Ausbesserungswerkstätte in Oldenburg. Ein Teil der Belegschaft posiert vor und auf der Lokomotive.
Die Nummer 39 "HOHENZOLLERN" wurde 1876 von der gleichnamigen Maschinenfabrik an die G.O.E. ausgeliefert. Vorgesehen für die Nummer 51 7013 wurde die Lok jedoch bereits zwischen 1923 und 1925 ausgemustert. Das Bild zeigt sie im Betriebswerk, vermutlich in Oldenburg. Im Hintergrund ist noch eine T 1.2 zu erkennen.
Die Nummer 39 „HOHENZOLLERN“ wurde 1876 von der gleichnamigen Maschinenfabrik an die G.O.E. ausgeliefert. Vorgesehen für die Nummer 51 7013 wurde die Lok jedoch bereits zwischen 1923 und 1925 ausgemustert. Das Bild zeigt sie im Betriebswerk, vermutlich in Oldenburg. Im Hintergrund ist noch eine T 1.2 zu erkennen.
Eine unbekannte G 1 bei der Aufgleisung nach einem Unfall.
Eine unbekannte G 1 bei der Aufgleisung nach einem Unfall.

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Eine Norris-Lokomotive aus den späten 1830ern, ähnlich denen an die die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn gelieferten und dann zur jungen G.O.E. gekommenen Lokomotiven. (Quelle: Hidden City Philadelphia)

1866: Bau- und Personenzuglokomotive

Eine Norris-Lokomotive aus den späten 1830ern, ähnlich denen an die die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn gelieferten und dann zur jungen G.O.E. gekommenen Lokomotiven. (Quelle: Hidden City Philadelphia)
Eine Norris-Lokomotive aus den späten 1830ern, ähnlich denen an die die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn gelieferten und dann zur jungen G.O.E. gekommenen Lokomotiven. (Quelle: Hidden City Philadelphia)

Beschreibung der Lokomotiven

Da beim Bau der oldenburgischen Strecken noch keine neuen Lokomotiven vorhanden waren, wurden im Jahre 1866 nach entsprechender Ausschreibung von der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn (NME) zwei alte 2A-Maschinen gekauft.

Diese Lokomotiven wurden 1841 mit weiteren zehn Stück bei Norris in Philadelphia gebaut und an die Berlin-Frankfurter Eisenbahn, die Vorgängerin der NME, geliefert. Auffällig an den Maschinen waren die stark geneigten, hoch über dem Laufrad-Drehgestell liegenden Zylinder. Es waren typische Vertreter der „amerikanischen Bauart“.

Die Lokomotiven waren mit einem Stehkessel ausgerüstet, der oben mit einer Halbkugel abgeschlossen war. Wie in den frühen Eisenbahnzeiten üblich, gab es keine geschlossenen Führerstände, sondern nur ein Seitengeländer, das mit der Außenkante des Barrenrahmens abschloß. Der größte Teil der schon rein äußerlich kräftig aussehenden Lokomotiven ruhte auf den Treibrädern, durch den geringen Treibraddurchmesser wurde somit eine große Zugkraft erreicht. Dies war besonders beim Bahnbau notwendig, um die vielfältigen Transporte bewältigen zu können. Beide Maschinen hatten einen großen Anteil am zügigen Vorankommen des Baus.

Nachdem die Lokomotiven Anfang Juli 1866 auf dem Wasserweg in Oldenburg angekommen waren, wurden sie auf Torffeuerung umgebaut und die Tender mit einem kastenförmigen Aufsatz für die Torfladung versehen. Zunächst wurden sie nur beim Bau der Strecken Oldenburg-Bremen und Oldenburg-Heppens (später Wilhelmshaven) eingesetzt, später auch im planmäßigen Verkehr.

Noch bis 1872 bewährten sich beide Loks, die die ersten im Oldenburger Land waren und zur Inbetriebnahme noch von holländischen Lokomotivführern bedient wurden. Erst dann wurden sie ausgemustert und in der Zentralwerkstätte in Oldenburg zerlegt.


Technische Daten der Lokomotiven

Bauart2A-n2
Baujahr1841
Länge über Puffer10405 mm
Höchstgeschwindigkeit? km/h
Treib- / Kuppelraddurchmesser1210 mm
Laufraddurchmesser vorn? mm
Laufraddurchmesser hinten
Zylinderdurchmesser? mm
Kolbenhub? mm
Rostfläche? qm
Heizfläche? qm
Kesselüberdruck? bar
Leergewicht? t
Dienstgewicht? t
Reibungsgewicht? t
Tender3-achsig

Skizze der Lokomotiven

Zeichnung der von der NME übernommenen Lokomotiven. Quelle: Krauth: Dampflokverzeichnis der Oldenburgischen Staatsbahn, 1968
Zeichnung der von der NME übernommenen Lokomotiven. Quelle: Krauth: Dampflokverzeichnis der Oldenburgischen Staatsbahn, 1968

Verzeichnis der Lokomotiven

HerstellerFabrik-
Nummer
BaujahrG.O.E.-
Nummer
G.O.E.-
Name
DR
Nummer
Bemerkung
Norris131184145ex NME Nr 45 „POSEN“
ausgemustert 1872
Norris132184146ex NME Nr 46 „SCHLESIEN“
ausgemustert 1872

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Centralbahnhof Oldenburg. Die 1909 gelaufene Karte dürfte durchaus einige Jahre früher entstanden sein. Wir sehen den Wartesaal erster und zweiter Klasse.

Wartesaal und Gaststätte

Ein Streifzug durch die oldenburgischen Bahnhöfe

Centralbahnhof Oldenburg. Die 1909 gelaufene Karte dürfte durchaus einige Jahre früher entstanden sein. Wir sehen den Wartesaal erster und zweiter Klasse.
Centralbahnhof Oldenburg. Die 1909 gelaufene Karte dürfte durchaus einige Jahre früher entstanden sein. Wir sehen den Wartesaal erster und zweiter Klasse.

„Als Wartehalle, Warteraum, Wartesaal und Wartehäuschen bezeichnet man einen Raum, der Reisenden als Aufenthaltsraum bis zur Weiterreise dient.“

Wartehalle – Wikipedia

Heutzutage meist unpersönlich, wenn nicht gar nur ein ungemütlicher und zugiger Unterstand, so war das Warten auf die Züge zu Großherzogs Zeiten noch deutlich komfortabler. In den Wartesälen / Warteräumen für die erste und zweite Klasse sowieso. Aber auch die Wartesäle der dritten und vierten Klasse wiesen durchaus noch diverse Annehmlichkeiten auf, Bewirtung war wohl fast immer gegeben. Einige Ansichten von großen und kleinen Bahnhöfen möchte ich im Folgenden zeigen.

Weitere Bilder von Wartesälen und Gaststätten

Auch der 1915 eröffnete Hauptbahnhof hatte nach Klassen getrennte Wartesäle. Der mit prächtigen Jugendstil-Ornamenten geschmückte Wartesaal erster und zweiter Klasse beherbergt heute das Reisezentrum. Die Ansichtskarte ist im Eröffnungsjahr gelaufen.
Auch der 1915 eröffnete Hauptbahnhof hatte nach Klassen getrennte Wartesäle. Der mit prächtigen Jugendstil-Ornamenten geschmückte Wartesaal erster und zweiter Klasse beherbergt heute das Reisezentrum. Die Ansichtskarte ist im Eröffnungsjahr gelaufen.
Der Wartesaal in die andere Richtung aufgenommen, die Karte ist 1917 gelaufen.
Der Wartesaal in die andere Richtung aufgenommen, die Karte ist 1917 gelaufen.
Der Wartesaal der dritten und vierten Klasse ist schon deutlich einfacher gehalten. Beachtenswert die Karte des Herzogtums mit den Eisenbahnlinien. Die Karte ist 1917 gelaufen.
Der Wartesaal der dritten und vierten Klasse ist schon deutlich einfacher gehalten. Beachtenswert die Karte des Herzogtums mit den Eisenbahnlinien. Die Karte ist 1917 gelaufen.
Diese 1915 gelaufene Karte zeigt etwas mehr Details. Ein Bier kostete damals 15 Pfennig...
Diese 1915 gelaufene Karte zeigt etwas mehr Details. Ein Bier kostete damals 15 Pfennig…
Hauptbahnhof Bremen. Die oldenburgische Strecke endete zwar in Bremen-Neustadt, allerdings liefen die Züge bis Hauptbahnhof durch. Die folgende Karte (gelaufen 1911) zeigt den Wartesaal erster und zweiter Klasse.
Hauptbahnhof Bremen. Die oldenburgische Strecke endete zwar in Bremen-Neustadt, allerdings liefen die Züge bis Hauptbahnhof durch. Die folgende Karte (gelaufen 1911) zeigt den Wartesaal erster und zweiter Klasse.
Am Ende der Südbahn liegt Osnabrück, dessen Wartesaal die 1896 gelaufene Karte zeigt.
Am Ende der Südbahn liegt Osnabrück, dessen Wartesaal die 1896 gelaufene Karte zeigt.
Ausschnittsvergrößerung des Wartesaals in Osnabrück
Ausschnittsvergrößerung des Wartesaals in Osnabrück
An der Bahnlinie von Hude nach Nordenham und Blexen liegt der Bahnhof Berne. Die Karte dürfte in den 1930er/1940er Jahren entstanden sein.
An der Bahnlinie von Hude nach Nordenham und Blexen liegt der Bahnhof Berne. Die Karte dürfte in den 1930er/1940er Jahren entstanden sein.
Bahnhof Brake in der Wesermarsch. Die interessante Karte ist 1904 gelaufen und zeigt das seinerzeit noch recht neue Empfangsgebäude.
Bahnhof Brake in der Wesermarsch. Die interessante Karte ist 1904 gelaufen und zeigt das seinerzeit noch recht neue Empfangsgebäude.
Die Auschnittsvergrößerung der Karte zeigt den Wartesaal erster Klasse in Brake.
Die Auschnittsvergrößerung der Karte zeigt den Wartesaal erster Klasse in Brake.
Der zweite Ausschnitt zeigt das „Buffet“ für die Verpflegung.
Der zweite Ausschnitt zeigt das „Buffet“ für die Verpflegung.
An der Endstation in Blexen hat das von der Bevölkerung „Weserschlösschen“ genannte Empfangsgebäude eine „Veranda“ als Warteraum.
An der Endstation in Blexen hat das von der Bevölkerung „Weserschlösschen“ genannte Empfangsgebäude eine „Veranda“ als Warteraum.
An der Strecke nach Osnabrück liegt Quakenbrück. Der Bahnhof war Grenzstation zwischen Oldenburg und Preußen. Die Karte zeigt die Bahnhofswirtschaft etwa um 1935.
An der Strecke nach Osnabrück liegt Quakenbrück. Der Bahnhof war Grenzstation zwischen Oldenburg und Preußen. Die Karte zeigt die Bahnhofswirtschaft etwa um 1935.
Bahnhof Cloppenburg. Die nichtdatierte Karte (Pressebild des Stadtmuseums Oldenburg anlässlich der Ausstellung “Höchste Eisenbahn“) zeigt den dortigen Wartesaal.
Bahnhof Cloppenburg. Die nichtdatierte Karte (Pressebild des Stadtmuseums Oldenburg anlässlich der Ausstellung “Höchste Eisenbahn“) zeigt den dortigen Wartesaal.
Der Wartesaal von Bahnhof Friesoythe von 1916.
Der Wartesaal von Bahnhof Friesoythe von 1916.
Ein Abstecher nach Edewecht gewährt und Einblick in den dortigen Warteraum. Das Bild stammt aus der "Denkschrift anlässlich des 50 jährigen Bestehens der G.O.E.".
Ein Abstecher nach Edewecht gewährt und Einblick in den dortigen Warteraum. Das Bild stammt aus der „Denkschrift anlässlich des 50 jährigen Bestehens der G.O.E.“.
Der Bahnhof Augustfehn auf einer 1959 gelaufenen Karte.
Der Bahnhof Augustfehn auf einer 1959 gelaufenen Karte.
Der Auschnitt der Bahnhofsgaststätte in Augustfehn zeigt den nüchternen Flair der 1950er Jahre.
Der Auschnitt der Bahnhofsgaststätte in Augustfehn zeigt den nüchternen Flair der 1950er Jahre.
Den Bahnhof sowie einen Blick in die Bahnhofswirtschaft und die Warteräume gewährt diese 1913 gestempelte Karte.
Den Bahnhof sowie einen Blick in die Bahnhofswirtschaft und die Warteräume gewährt diese 1913 gestempelte Karte.
Die 1927 gelaufene Karte zeigt den Wartesaal vom Bahnhof Hude mit Restaurant.
Die 1927 gelaufene Karte zeigt den Wartesaal vom Bahnhof Hude mit Restaurant.

Am 04.06.1910 warf eine Windhose die 5 letzten Waggons eines fahrenden Güterzuges aus den Schienen

04.06.1910 – Windhose bei Ocholt

Am 04.06.1910 warf eine Windhose die 5 letzten Waggons eines fahrenden Güterzuges aus den Schienen
Am 04.06.1910 warf eine Windhose die 5 letzten Waggons eines fahrenden Güterzuges aus den Schienen

Beschreibung des Hergangs

Am 04.06.1910 warf eine Windhose die 5 letzten Waggons eines fahrenden Güterzuges aus den Schienen und auf die Böschung.

Über die Windhose der Stärke F3 (254 – 332 km/h) wurde verschiedentlich berichtet:

„24 km westlich von Oldenburg, warf zwischen Ocholt und Zwischenahn 2 Güterwagen eines fahrenden Zuges um“ (Quelle: A. Wegener: Wind- und Wasserhosen in Europa, 1917). Weiter aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 07.06.1910: „Oldenburg, 4.Juni. Eine Windhose hat heute nachmittag auf der Strecke Zwischenahn – Ocholt neun Güterwagen eines nach Leer fahrenden Güterzuges umgeworfen. Ein Bremser wird vermißt. Man nimmt an, daß er sich unter den umgestürzten Güterwagen befindet. Die Telegraphenleitungen nach Ocholt und Westerstede sind ebenfalls zerstört.“ – Weiter aus einer Meldung der Freiburger Zeitung vom 06.06.1910: „Ueber einen Eisenbahnunfall auf der Strecke Zwischenahn-Ocholt (Oldenburg) wird amtlich vom 5. Juni mitgeteilt: Heute nachmittag 5 Uhr wurden von dem Güterzuge Nr. 6826 bei Kilometer 19,3 die neun letzten Güterwagen durch einen Wirbelsturm aus dem Gleise gehoben, vier davon sind in den Bahngraben gestürzt. Menschen sind nicht verletzt.“

Quelle: www.tornadoliste.de

Ausschnitte aus der Ansichtskarte

Detailausschnitt mit der Beschreibung des Unglückes. Bemerkenswert ist, dass auf der Ansichtskarte von 5 Waggons die Rede ist, die aus den Gleisen geworfen wurden, während die offiziellen Berichte von 9 Waggons sprechen.
Detailausschnitt mit der Beschreibung des Unglückes. Bemerkenswert ist, dass auf der Ansichtskarte von 5 Waggons die Rede ist, die aus den Gleisen geworfen wurden, während die offiziellen Berichte von 9 Waggons sprechen.
Der Absender der Karte schreibt auf der Vorderseite, er habe das Ereignis in Natura gesehen. Es handelt sich also um einen Augenzeugen.
Der Absender der Karte schreibt auf der Vorderseite, er habe das Ereignis in Natura gesehen. Es handelt sich also um einen Augenzeugen.
Der schwarze Fleck bei der Adresse ist Tinte, die mir aber alt erscheint. Warum dieser kleine Teil geschwärzt ist, lässt sich nicht sagen. Leider ist der darunter liegende Text (Name?) nicht eindeutig zu entziffern.
Der schwarze Fleck bei der Adresse ist Tinte, die mir aber alt erscheint. Warum dieser kleine Teil geschwärzt ist, lässt sich nicht sagen. Leider ist der darunter liegende Text (Name?) nicht eindeutig zu entziffern.
Der Text lautet: L. [Name] Ich habe bis jetzt noch garkeine Karte erhalten von Ihnen nach meinem letzten Schreiben oder haben Sie das garnicht erhalten Sonst alles wohl. Schreibe bitte bald wieder Es grüßt d. Freund Johann
Der Text lautet: L. [Name] Ich habe bis jetzt noch garkeine Karte erhalten von Ihnen nach meinem letzten Schreiben oder haben Sie das garnicht erhalten Sonst alles wohl. Schreibe bitte bald wieder Es grüßt d. Freund Johann

Weitere Ansichten des Unglücks

Aus einer anderen Perspektive noch einmal die umgestürzten Waggons
Aus einer anderen Perspektive noch einmal die umgestürzten Waggons
Die Lokomotive "VENUS" nach dem Unfall auf der Brücke

25.07.1913 – Eisenbahn-Unglück auf der Emsbrücke bei Hilkenborg

Die Lokomotive "VENUS" nach dem Unfall auf der Brücke
Die Lokomotive „VENUS“ nach dem Unfall auf der Brücke

Unfallhergang und Folgen

Der letzte Zug von Oldenburg nach Neuschanz verließ am 26. Juli 1913 kurz nach Mitternacht den Haltepunkt Hilkenborg. Dieser ist der letzte Halt vor der Drehbrücke über die Ems. Der relativ kurze Zug ist der Uhrzeit geschuldet relativ leer, nur 14 Passagiere besetzen die Waggons.

Auf der Fahrt von Oldenburg hatte der Zug bereits 10 Minuten Verspätung, daher musste es schnell gehen in dieser nebeligen Nacht. Obwohl die Brücke, nachdem ein Schiff durchgelassen wurde, noch nicht wieder geschlossen war, setzte sich der Zug mit der oldenburgischen P 4.2 „VENUS“ in Hilkenborg in Bewegung und nahm Fahrt auf. Erst kurz vor dem noch geöffneten Brückenteil bemerkte die Likbesatzung – Lokführer Janssen 4 und Heizer Lütje 3 (beide aufgrund der Häufigkeit der Namen mit Nummern als Zusatz geführt) – die Gefahr. Trotz sofort eingeleiteter Vollbremsung und anschließendem Gegendampf rutschten das Drehgestell und die ersten beiden Achsen der Lok über die letzte Schwelle, bevor der Zug endgültig zum Stehen kam. Nur noch gehalten vom Federausgleichshebel und vor allem der Kupplung zum Tender neigte sich die Lokomotive gefährlich hinunter zur Ems.

Der Brückenwärter Bleeker auf der anderen Emsseite hatte, als er den Zug bemerkte, noch versucht, den Drehteil der Brücke zu schließen, allerdings vergeblich. Bis auf wenige Meter war die Brücke herangekommen, als die „VENUS“ über die letzte Schwelle rutschte.

Bei dem Unglück ist keiner der Passagiere zu Schaden gekommen, auch die Lokbesatzung blieb unversehrt.

Für die Bergung der Lokomotive musste ein Schwimmkran der Marinewerft in Wilhelmshaven herangeschafft werden. Wenige Tage nach dem Unglück wurde sie geborgen du in die Hauptwerkstätte in Oldenburg geschafft, wo sie instand gesetzt wurde. Der Betrieb auf der Strecke nach Neuschanz konnte am Nachmittag des 30. Juli wieder aufgenommen werden.

Über die Schuldfrage ist nichts wirklich belegbares überliefert, heroische Berichte wurden schon kurz nach dem Unglück gestreut, aber auch diese sind nicht bewiesen.

Einen Bericht aus den Hanomag Nachrichten Nr. 4 von 1920 habe ich hier bereitgestellt <Link einfügen>.

Einen ähnlichen Artikel aus der Zeitung „Rheiderland“ hat Michael Till Heize auf seiner Webseite wiedergegeben.

In dem Heft Bahnepoche Nr. 20 vom Herbst 2016 hat Hendrik Bloem diesen Unfall in eine schöne Geschichte verpackt.

Bericht aus der Zeitung „Rheiderland“

„Der Zug war mit mehreren Minuten Verspätung auf der Haltestelle „Hilkenborg“, die dicht vor der Emsbrücke liegt, angekommen. Eine Frau, die hier den Dienst versieht, hatte den Zug vorschriftsmäßig abgefertigt. Der Zugführer gab das Signal zur Abfahrt, dem der Lokomotivführer auch sofort Folge leistete. Keiner achtete auf das vor der Brücke sich befindende Signal, das noch auf „Halt“ stand und somit anzeigte, daß die Brücke offen und noch nicht passierbar war. Nur die Frau sah es und rief dem Zugführer nach, den Zug wieder halten zu lassen; jedoch vergebens; ihre Rufe gingen in dem Getöse verloren.

Unterdessen fuhr der Zug in langsamen Tempo seinem Verhängnis entgegen. Der Brückenwärter (er hieß Bleeker), der infolge eines gerade passierenden Schleppzuges die Drehbrücke nicht rechtzeitig hatte schließen können, sah die Gefahr, in der sich der Zug befand, und suchte ebenfalls durch Schreien die Aufmerksamkeit des Lokomotivführers zu erregen. Aber auch hier vergebens.

Da, wenige Meter vor der gähnenden Tiefe, blickte der Lokomotivführer hinaus und sah das grausige Verhängnis, dem er entgegenfuhr. Mit einer bewundernswerten Geistesgegenwart zog er blitzschnell die Luftdruckbremse und riß die Ventile auf, damit der Dampf ausströme; doch schon neigte sich die Lokomotive in die Tiefe. Mit einem kühnen Sprunge rettete sich Führer und Heizer auf den Tender. Ein heftiger Ruck, der den Zug erschüttern ließ, so daß die Passagiere unsanft durchgerüttelt wurden, und die Lokomotive rammte sich mit dem Aschenkasten auf dem Brückenpfeiler fest; gleichzeitig stellte sich der Tender hoch auf, und beide Kupplungen verkeilten sich.

Das hierdurch entstandene Gegengewicht machte es unmöglich, daß die Maschine ganz abstürzte. Sie blieb in der oben beschriebenen Lage hängen. Die nachfolgenden Wagen, ein Gepäck- und drei Personenwagen, blieben auf den Gleisen stehen. Sogar die hintere Achse des Tenders entgleiste nicht einmal. Ein Zeichen, in welcher Sekundenschnelle sich der ganze Vorgang abspielte.

Die ahnungslosen Passagiere – 14 an der Zahl – rissen erschreckt die Fenster auf und sahen mit Grauen, wie nahe sie dem Tode waren. Sie wurden vom Zugpersonal über die Brücke zurückgebracht, mittels Fähre über die Ems gesetzt und dann mit einem sogleich herbeigeschafften Ersatzzug ihrem Bestimmungsort zugeführt.

Führer und Heizer begaben sich wieder auf ihren Posten und verließen denselben nicht eher, bis der Kessel entleert, das Feuer gelöscht und jede weitere Gefahr beseitigt war.“

Quelle: www.michaeltillheinze.de

Weitere Ansichten des Unglücks

Eine weitere Ansicht von einem Boot aus
Eine weitere Ansicht von einem Boot aus
Einen Überblick über die Unfallstelle gibt dieses Bild
Einen Überblick über die Unfallstelle gibt dieses Bild
Vom Ufer aus ist schön der geöffnete Drehteil der Brücke zu erkennen
Vom Ufer aus ist schön der geöffnete Drehteil der Brücke zu erkennen
Bei dieser Zeichnung ist die Lokomotive deutlich verzogener als sie in Wirklichkeit war
Bei dieser Zeichnung ist die Lokomotive deutlich verzogener als sie in Wirklichkeit war
Ein typischer Personenzug überquert die Ems
Ein typischer Personenzug überquert die Ems