
Der Bahnhof Hemmelte wurde 1875 an der Oldenburger Südbahn eröffnet und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem lokalen Infrastrukturpunkt. Zu Beginn bestand er aus einem Bahnhofsgebäude, einem Güterschuppen, einer Laderampe sowie Gleisanlagen mit vier Weichen. Bereits 1880 wurde das Obergeschoss des Güterschuppens zu einer Wohnung für den Weichenwärter umgebaut, 1897 kam ein erstes Signalstellwerk hinzu.
In den frühen 1900er‑Jahren folgten weitere Ausbauten: 1910 wurden die Gleisanlagen erweitert, 1913 entstand ein Brunnen, und 1914 richtete man eine Viehwaage samt Buchten ein.
Während des Zweiten Weltkriegs kam es zu mehreren Luftangriffen auf Bahnlinie und Bahnhof, bei denen Menschen zu Schaden kamen. Einer davon war mein Vater, der zwar Schutz suchen konnte, aber trotzdem mehrere Geschoßsplitter in Rücken davon trug. Zum Glück haben diese ihn nicht weiter behindert.
Nach dem Krieg verlor der Bahnhof zunehmend an Bedeutung. 1962 wurde die Abfertigungsbefugnis aufgehoben, und ab den 1960er‑ und 1970er‑Jahren modernisierte man die Bahnübergänge schrittweise durch Blinklichtanlagen und Halbschranken.
In den 1980er‑Jahren nahm der Verkehr weiter ab. Am 28. November 1988 wurde der Bahnhof offiziell aufgelöst; Gleise und Signale wurden weitgehend zurückgebaut, sodass nur ein durchgehendes Gleis bestehen blieb.
Der Bahnhof Hemmelte ist heute zwar nicht mehr in Betrieb, bleibt jedoch ein bedeutender Teil der regionalen Eisenbahngeschichte und des lokalen kulturellen Erbes.
Mein Großvater bei der Arbeit
Mein Großvater war nach dem ersten Weltkrieg auf Bahnhof Hemmelte stationiert. Zunächst als Weichenwärter, später als Fahrdienstleiter. Ab 1932 wohnte er mitsamt Familie im Obergeschoß. Mein Vater (geboren 1927) ist dort aufgewachsen.
Die folgenden beiden Bilder zeigen meinen Großvater bei der Arbeit im Stellwerk.


Der Schrankendienst in Hemmelte
Früher gab es in Hemmelte vier Bahnübergänge mit Schranken. Zwei davon wurden direkt vom Bahnhof aus bedient. Die anderen zwei wurden von einer Bahnwärterfamilie betreut, die in einem kleinen Haus an den Schranken wohnte.
Die Schranken waren damals nicht automatisch. Es waren einfache Tore, die von Hand einzeln geschlossen werden mussten. Wenn ein Zug kam, musste der Schrankenwärter schnell hinausgehen und die Tore schließen. Da der Mann selbst oft auf der Station oder bei den Gleisarbeitern arbeitete, kümmerten sich meistens die Frau oder die älteren Kinder um das Öffnen und Schließen der Schranken.
Damit die Schrankenwärter wussten, dass ein Zug kommt, gab es ein Glockensignal:
- Einmal läuten: Zug kommt aus Oldenburg
- Zweimal läuten: Zug kommt aus Osnabrück
Nachts waren zwei der Schranken offen, weil sie nicht immer bewacht werden konnten. In dieser Zeit machte die Lokomotive selbst ein gleichmäßiges Glockengeräusch, damit jeder wusste: Der Zug nähert sich.
Der Bahnwärter selbst arbeitete oft auf der Station oder bei den Gleisarbeitern. Deshalb kümmerten sich meistens die Frau oder die Kinder um das Öffnen und Schließen der Schranken.
Weitere Bilder des Bahnhofes
Im Folgenden werden einige weitere Ansichten des Bahnhofes gezeigt, im Wesentlichen sind es alte Ansichtskarten, aber auch – sofern vorhanden – Pläne und Fotos.




Zu der Strecke Oldenburg – Osnabrück gibt es noch weitere Informationen auf der folgenden Seite bei mir:
-
1875/1876: Oldenburg – Osnabrück
Die oldenburgische Südbahn Die Oldenburger Südbahn wurde in den Jahren 1870 bis 1876 von der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn (GOE) gebaut. Die Eröffnung des ersten Teilstücks Oldenburg–Quakenbrück erfolgte am 15. […]
