
Der Wechsel zum Winterfahrplan erfolgte bei den Oldenburgischen Staatseisenbahnen üblicherweise zum 1. Oktober. Auch 1896 trat zu diesem Zeitpunkt ein neuer Fahrplan in Kraft. Aufgrund notwendiger Anpassungen wurde jedoch bereits zum 1. November eine überarbeitete Ausgabe veröffentlicht. Grund waren insbesondere die hinter den Erwartungen zurückbleibenden Fahrgastzahlen auf einzelnen Verbindungen, vor allem bei den abendlichen Doppelzügen zwischen Oldenburg und Bremen.
Dies wurde bereits in den Tagen vorher in der lokalen Presse angekündigt. Ebenso hatte dies Auswirkungen auf die gedruckten Taschenfahrpläne, die käuflich zu erwerben waren.
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Weitere Informationen zur Änderung des Fahrplanes
Auf der Versammlung der „Freien Vereinigung zur Wahrung und Förderung der Eisenbahn-Verkehrs-Interessen im Gebiete der oldenburgischen Staatseisenbahnen“, deren 40. Versammlung am 24. Oktober stattfand, erläuterte Baurat Böhlk über die Anpassung des Fahrplans:
4. Fahrplangelegenheiten. Baurat Böhlk berichtet:Der am 1. Oktober eingeführte Fahrplan bietet im großen und ganzen das Bild des vorherigen Winterfahrplans. Er unterscheidet sich von vorigem Sommerfahrplan eigentlich nur durch die Aufhebung des Bade- und Vergnügungszuges und die Wiedereinführung der Doppelzüge vormittags auf der Strecke Wilhelmshaven–Bremen zu einem einzigen Personenzuge. Auf der Strecke Oldenburg–Varel wurde der volle Fahrplan eingeführt. Man glaubte, von Einschränkungen an anderer Stelle absehen zu können. Da aber die Verkehrsverhältnisse, namentlich der Doppelzüge zwischen Bremen und Oldenburg abends, fortgesetzt hinter den an deren Einführung geknüpften Erwartungen zurückblieben und alsbald nach Fertigstellung des Winterfahrplans bereits feststand, daß in dieser Beziehung selbst im nächsten Sommerfahrplan gespart werden könne, so mußte auch der Winterfahrplan eine nachträgliche Einschränkung erleiden – insofern es naturgemäß ist, mit Verminderung der Anzahl der Züge nicht zur Zeit des wieder steigenden Verkehrs zu beginnen, sondern dafür den Zeitpunkt des abnehmenden Verkehrs zu wählen. Die plötzliche Abnahme des Gesamtverkehrs tritt mit dem Monat November ein, während im Oktober die Frequenz durch den Einfluß der Märkte noch in der Höhe des September gehalten wird. Es ist daher zum 1. November ein neuer Fahrplan aufgestellt, in welchem die beiden Doppelzüge abends zwischen Oldenburg und Bremen zu einem Zuge wieder vereinigt sind. Diese Maßnahme hat einige Änderungen auch in dem Fahrplan der übrigen Strecken zur Folge gehabt, die abgesehen von den Strecken Oldenburg–Brake und Bockhorn–Borgstede dieselbe nur die Züge nach 6 Uhr abends treffen. Von allgroßem Interesse ist die Verteilung des Personenverkehrs auf die Monate des Jahres; für das Jahr 1895 ist folgende Zusammenstellung gemacht:
| Januar | 5,89 Proz. |
| Februar | 4,89 “ (Minimum) |
| März | 6,63 “ |
| April | 8,09 “ |
| Mai | 7,82 “ |
| Juni | 10,91 “ |
| Juli | 12,10 “ (Maximum) |
| August | 11,01 “ |
| September | 9,03 “ |
| Oktober | 9,39 “ |
| November | 6,56 “ |
| Dezember | 6,58 “ |
Zusammen 100 Proz.
Daß Mai geringer war als April, lag an den wandelbaren Festen – sonst liefert die Uebersicht von 1895 das Bild der normalen Bewegung der Personenfrequenz.
Zum Fahrplan liegen 2 Anträge vor:
1) Ein Antrag des Braker Handelsvereins auf Verlegung des Güterzuges 6 Uhr morgens von Oldenburg nach Brake (über Loy) zur Personenbeförderung.
Dem Antrage kann nicht entsprochen werden, weil damit der Güterzug zu einem regelmäßig verkehrenden Zuge würde oder ein besonderer Personenzug gefahren werden müßte, wenn der Güterzug wegen mangelnder Transporte ausfallen könnte.
2) Eine Anregung des Norddeutschen Lloyd auf Einlegung zweier neuer Schnellzüge nachmittags zwischen Bremen und Hannover wird seitens der Großh. Eisenbahndirektion umso mehr unterstützt werden, als der Zug nach Hannover, dessen Abfahrt in Bremen auf etwa 4 Uhr nachmittags geplant ist, auch dem oldenburgischen Verkehre bessere Anschlüsse bieten wird. Man würde unter Benutzung der Züge 6.27 nachm. von Hannover in Berlin etwa 10½ nachm., in Wien 2½ nachm. und in München 11 Uhr eintreffen.
In der Versammlung selbst wird der Antrag auf Wiedereinführung des Schnellzuges 9.17 abends von Wilhelmshaven nach Bremen für den nächsten Sommer eingebracht. Es wird erwidert, daß dem Antrage voraussichtlich entsprochen werden könne. Die Verhandlungen über die Badezüge, deren Schiffsanschlüsse in Norddeich nach einer Mitteilung des Herrn Senator Eiben im nächsten Jahre von Ebbe und Flut kaum noch abhängig sein würden, hätten zur Voraussetzung, daß künftig jeden Tag eine Tages- und eine Nachtverbindung mit Norderney geschaffen werden solle. In dieses Programm ist auch der Zug 9,17 von Wilhelmshaven mit Anschluß an den Badezug von Norddeich über Sande aufgenommen worden.
Nach Erledigung dieses Gegenstandes der Tagesordnung erachtet der Herr Vorsitzende den Zeitpunkt für gegeben, eine Depesche an seine Königl. Hoheit den Großherzog zur ehrerbietigen Begrüßung des Hohen Paares, „dem alle Herzen entgegenschlagen“, nach Schwerin zu richten, womit die Versammlung freudigst übereinstimmt.

Der ganze Bericht findet sich in der Ausgabe 251 der „Nachrichten für Stadt und Land“ vom 26.Oktober 1896, digitalisiert bei der Landesbibliothek Oldenburg.
Am 30. Oktober weist die Zeitung noch einmal auf die bevorstehende Änderung hin:
* Fahrplanänderungen. Wir machen unsere Leser nochmals darauf aufmerksam, daß am 1. November Aenderungen in den Abendzügen der Oldenburgischen Bahnen eintreten. Teils sind die Züge später, teils aber auch früher gelegt. So fahren z. B. die letzten Züge von Oldenburg nach Bremen und Brake 5 bezw. 4 Minuten früher ab. Der bisher 9 Uhr abends von Bremen fahrende, 10.21 in Oldenburg eintreffende Zug fällt fort. Wer sich also von dem „Sitzenbleiben“ hüten will, der beachte den neuen Fahrplan.

Und auch auf den kostenlosen Umtausch bereits gekaufter Fahrplanhefte im Taschenformat wird hingewiesen:
* Umtausch von Taschenfahrplänen. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß der im Verlage von H. Hinzen hier erschienene und bei der Großherzoglichen Eisenbahn-Direktion durchgesehene Taschenfahrplan der Oldenburgischen Eisenbahnen mit Anschlüssen (Preis 20 Pf.) infolge von Änderungen zum 1. Nov. d. J. in neuer Auflage ausgegeben wird. Die neue Auflage kann vom 1. November an bei allen Fahrkartenausgaben der Oldenburgischen Eisenbahnen und in der Bahnhofsbuchhandlung zu Oldenburg, sowie bei den übrigen Verkaufsstellen gegen Rückgabe des ungiltig werdenden gleichen Fahrplanes vom 1. Oktober unentgeltlich umgewechselt werden.

Beide Notizen finden sich ebenfalls bei der Landesbibliothek Oldenburg, hier in Ausgabe 255 der „Nachrichten für Stadt und Land“ vom 30. Oktober 1896.
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