Die Farbgebung der oldenburgischen Lokomotiven
In einem früheren Beitrag hatte ich bereits über die Bezeichnung, Nummerierung und die Namen der Lokomotiven geschrieben. In diesem Beitrag soll es nun um die Farben und die Beschilderung gehen.
Die Farbgestaltung der Lokomotiven der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn lässt sich heute nur noch in Grundzügen rekonstruieren. Insbesondere ist zu berücksichtigen, dass zeitgenössische Fotografien häufig retuschiert oder koloriert wurden, was die Interpretation zusätzlich erschwert. Dennoch ergibt sich aus historischen Quellen, Fotografien und erhaltenen Fahrzeugen ein insgesamt stimmiges Bild.
Anlehnung an die Preußische Eisenbahnverwaltung
Die Farbgebung der Lokomotiven der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn stand in engem Zusammenhang mit den Gestaltungsprinzipien der Preußischen Staatsbahn (KPEV). Zeitgenössische Hinweise deuten darauf hin, dass sich die Oldenburger Eisenbahnverwaltung grundsätzlich an den preußischen Vorschriften orientierte und diese als Grundlage für die eigene Farbgestaltung heranzog.
Wie bei den preußischen Lokomotiven bestand auch in Oldenburg eine klare funktionale Aufteilung der Farben: grün für die Aufbauten, rot für das Fahrwerk und schwarz für stark beanspruchte Bauteile wie Rauchkammer und Schornstein. Dieses Schema war im deutschen Eisenbahnwesen der Zeit weit verbreitet und prägte das Erscheinungsbild zahlreicher Länderbahnfahrzeuge. Die Übernahme dieses Grundprinzips zeigt, dass sich die Oldenburgische Eisenbahn bewusst an den gestalterischen und betrieblichen Standards der dominierenden preußischen Bahn orientierte.
Dennoch handelte es sich nicht um eine vollständige Kopie. Die Quellen – vor allem Fotografien – weisen darauf hin, dass die Oldenburger Lokomotiven in Details von der preußischen Ausführung abwichen. Diese Unterschiede betrafen beispielsweise die konkrete Ausführung einzelner Bauteile, die Farbwirkung oder dekorative Elemente. Während preußische Lokomotiven häufig über eine ausgeprägte Linienverzierung verfügten, sind solche Zierelemente für Oldenburg entweder nur eingeschränkt oder gar nicht eindeutig nachweisbar.
Das grundsätzliche Erscheinungsbild
Typisch für oldenburgische Lokomotiven war ein mehrfarbiger Anstrich, der sich aus drei dominierenden Farbbereichen zusammensetzte. Die Aufbauten – also Kessel, Führerhaus und Tender – waren in einem dunklen Grünton gehalten. Das Fahrwerk, einschließlich Rahmen und Rädern, erhielt hingegen einen kräftigen Rotton, während stark beanspruchte Bauteile wie Rauchkammer und Schornstein in der Regel schwarz lackiert wurden. Diese Dreiteilung entsprach dem damals verbreiteten Gestaltungsprinzip vieler deutscher Länderbahnen und prägte das Erscheinungsbild der Fahrzeuge nachhaltig.
Allerdings lassen sich die exakten Farbtöne heute nicht mehr eindeutig bestimmen.. Zur Entstehungszeit der Lokomotiven gab es noch keine einheitlichen Farbstandards wie die später eingeführten RAL-Farben. Stattdessen orientierte man sich an betrieblichen Vorgaben und Farbmusterkarten. Moderne Angaben wie „Chromoxidgrün“ oder „Karminrot“ sind daher als Annäherungen zu verstehen, die das historische Erscheinungsbild möglichst plausibel wiedergeben sollen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die fehlende vollständige Einheitlichkeit. Abweichungen zwischen einzelnen Lokomotiven waren durchaus üblich. So konnten Details wie Radreifen unterschiedlich ausgeführt sein, und auch bei Neuanstrichen oder Ausbesserungen im Betriebsdienst kam es zu Variationen. Absolute Gleichförmigkeit war im Eisenbahnbetrieb dieser Zeit weder technisch noch organisatorisch durchsetzbar.
Im Laufe der Zeit unterlag die Farbgebung zudem einer gewissen Entwicklung. Während frühe Lokomotiven teilweise noch aufwendiger gestaltet gewesen sein dürften, wurde der Anstrich später schlichter und funktionaler. Zier- und Dekorelemente wurden reduziert oder ganz weggelassen, ohne jedoch das grundlegende Farbschema vollständig aufzugeben. Diese Vereinfachung ist nicht zuletzt auf wirtschaftliche Gründe und den praktischen Betriebsalltag zurückzuführen.
Grundsätzlich lässt sich außerdem festhalten, dass die Farbwahl auch praktischen Anforderungen folgte. Die bevorzugten dunkleren und gedeckten Töne trugen dazu bei, Verschmutzungen weniger deutlich sichtbar zu machen. Gleichzeitig legten die Eisenbahnverwaltungen großen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild ihrer Fahrzeuge, sodass Lokomotiven trotz intensiver Nutzung regelmäßig gereinigt und instand gehalten wurden.
Unsere heutigen Kenntnisse beruhen vor allem auf indirekten Quellen wie historischen Fotografien, zeitgenössischen Darstellungen und einer erhaltenen Lokomotive. Diese liefern wertvolle Hinweise, müssen jedoch stets kritisch betrachtet werden. Insbesondere Schwarzweißaufnahmen erlauben nur Rückschlüsse auf Helligkeitsunterschiede, und auch Museumsstücke können im Laufe ihrer Geschichte verändert worden sein.
Insgesamt entsteht so das Bild einer charakteristischen, aber nicht starr festgelegten Farbgebung: Oldenburgische Lokomotiven erschienen überwiegend in einer Kombination aus Grün, Rot und Schwarz, deren genaue Ausprägung je nach Zeit, Fahrzeug und Zustand variieren konnte.
Zierlinien
Mir sind lediglich zwei Aufnahmen bekannt, eine der „THOR“ und eine der „BELFORT“ bekannt, die eine oldenburgische Lokomotive mit den für Preußen eine Zeit lang so typischen Zierlinien zeigt. Beide Bilder sind Werksaufnahmen der Hanomag. Die „Lokomotive „THOR“ dürfte aber auch noch den grauen Grundierungsanstrich („Fotoanstrich“, ein heller, kontrastreicher Anstrich zur besseren fotografischen Darstellung) getragen haben, die Belfort diesen zumindest noch an Rahmen/Rädern und Zylindern. Alle übrigen bekannten Aufnahmen zeigen diese Zierlinien nicht. Nur abgesetzte Kesselringe sind auf einigen Bildern zu erkennen, allerdings auch nur auf Werksaufnahmen, nicht auf Betriebsbildern.


Einordnung der Farben
Wie bereits geschrieben, ist eine eindeutige Zuordnung der Farben nicht möglich. Daher hier eine ungefähre Einordnung ins RAL-Schema. Diese Zuordnung dient ausschließlich der visuellen Annäherung und stellt keine historische Normierung dar.
RAL-Farbton | Farbmuster | Verwendet für: |
|---|---|---|
6020 Chromoxidgrün | Aufbauten (Kessel, Führerhaus, Tender), Zylinder (Seitenverkleidung) | |
3002 Kaminrot | Rahmen (Fahrwerk, Pufferbohle), Radkörper | |
9005 tiefschwarz | Rauchkammer, Schlot, Zylinder, Führerhausdach, (teilweise Radreifen und Kesselringe) | |
blank | Gestänge |
Schwarze Lokomotiven?
Es ist anzunehmen, dass mit Beginn des ersten Weltkrieges zunehmend Lokomotiven in schwarz lackiert wurden, um auch hier Einsparungen vornehmen zu können. Aber auch dies ist nicht belegt. Merkwürdig erscheinen Bilder, auf denen die Lokomotiven komplett schwarz nachkoloriert wurden


Das oben gezeigte Bild zeigt zwar komplett schwarze Lokomotiven, dies scheint aber nicht ganz stimmig, zumal die Waggons alle grün sind, dies war zumindest in Preußen erst ab 1913 der Fall. Um 1908 müssten Wagen der 3. Klasse noch braun gewesen sein. Das nächste Bild zeigt die selbe Aufnahme, die Loks und Wagen sind anders koloriert.

Die Lokomotiven erscheinen hier eher in einem sehr dunklen Grün, alle Waggons sind braun. Letzteres ist zumindest ungewöhnlich, da die Personenzüge bei der G.O.E. meist auch Wagen der 2. Klasse mitführten, diese hätten dann grün sein müssen.
Die vorliegenden Bilder liefern somit keine eindeutige Bestätigung für vollständig schwarze Lokomotiven bei der G.O.E. Eine wirkliche Aufklärung können hier wohl nur originale Vorschriften bringen, diese sind mir leider nicht bekannt.
Die Museumslokomotive „LANDWÜHRDEN“
Die heute im Deutschen Museum in München ausgestellte Lok 11 Landwürden wurde 1900 von ihrem Hersteller Krauss erworben, aufgearbeitet und dem Museum zur Verfügung gestellt. Ob die Aufarbeitung den heutigen Anforderungen einer Restaurierung entsprach mag dahingestellt bleiben. Da das Museum auf Anfrage von Julia Steenken (†) mitteilte das es über keinerlei Aufzeichnungen hierzu verfügt, ist daher keine abschließende Bewertung möglich.


Vermutlich dürfte Kraus eher an die Werbung für seine Unternehmung, als an zukünftige Historiker und Modellbahner gedacht haben. Da die Landwürden aber ausdrücklich für das Museum erworben wurde, ist es nicht unwahrscheinlich das sie tatsächlich den Zustand den sie beim Ausscheiden hatte, zeigt. Somit ist diese Quelle zwar kritisch zu betrachten ist, aber durchaus geeignet ist. Vor allem da Details dadurch ableitbar und klärbar sind.
Die Beschilderung an den Lokomotiven
Die Lokomotiven der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn (G.O.E.) waren mit verschiedenen charakteristischen Schildern ausgestattet, die sowohl funktionale als auch repräsentative Zwecke erfüllten.
Eigentums- und Fabrikschilder
An den Seitenwänden des Führerhauses befand sich ein Eigentumsschild aus Rotguss mit den Maßen 240 × 170 mm. Unter dem Staatswappen trug es die Buchstaben „G.O.E.“. In der Regel war darunter zusätzlich das Fabrikschild der Lokomotive angebracht.
Ab dem Jahr 1919 wurde das klassische Eigentumsschild durch die schlichte Aufschrift „Oldenburg“ ersetzt.
Namens- und Nummernschilder
Die Namensschilder waren am Langkessel angebracht, bei Tenderlokomotiven alternativ auch am Wasserkasten über oder neben dem Eigentumsschild.
Das Nummernschild befand sich an der Rauchkammertür oberhalb des Zentralverschlusses. Die markanten Ziffern dieser Rotgussschilder waren von einem umlaufenden Rand eingefasst. Direkt darunter war ein sogenanntes „Altersschild“ angebracht, das – ähnlich wie bei preußischen Lokomotiven – das Baujahr angab. Dieses Schild war ebenfalls aus Rotguss gefertigt, maß 100 × 50 mm und zeichnete sich durch einen gegossenen Rand sowie eingezogene Ecken aus.
Beschilderung der Tender
Schlepptender waren an den Seitenwänden mit denselben Nummernschildern wie die zugehörige Lokomotive versehen. Darüber befand sich ein Eigentumsschild, darunter das Fabrikschild.
Eine besondere Eigenheit stellten die sogenannten Vorratsschilder dar: Diese waren an Schlepptendern und Kohlenkästen angebracht und gaben Auskunft über die Fassungsvermögen von Wasser und Kohle. Die Schilder bestanden aus Rotguss mit geriffeltem Untergrund und waren ebenfalls umrandet.
Entwicklungen nach dem Ersten Weltkrieg
Neuere Lokomotivbauarten, die nach dem Ersten Weltkrieg beschafft wurden, erhielten statt der gegossenen Tafeln aufgemalte Nummernschilder nach preußischem Vorbild. Die Ziffern waren in einer typisch breiten Ausführung gestaltet, darunter wurde die Direktion „Oldenburg“ angegeben.
Zusätzlich war an den Seitenwänden des Führerhauses zwischen Eigentums- und Fabrikschild ein militärisches Verwendungszeichen angebracht.
Die Schilder in der Übersicht
Die folgenden Abbildungen zeigen Schilder, die Julia Steenken für ein Modellbauprojekt anfertigen ließ. Ich übernehme die Tabelle mit den Abbildungen von ihrer Webseite.
Schild | Bild | Maße (mm) | Anbringung Lok/Tender | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
Altersschild | 100 x 50 | Rauchkammer, oberhalb Verschluß, unter Loknummer | ||
Eigentumsschild | ![]() | 240 x 170 | Mitte Führerstand / Mitte Tender | erst ab 1906 (ges. Vorgabe) |
Fabrikschild | ![]() | unterschiedlich nach Hersteller, | unter Leistungszeichen / unter Nummerschild | |
Leistungszeichen | 100 x 100 | unter Eigentumsschild | a, b, c | |
Namensschild | ![]() | Breite unterschiedlich, | Mitte Kessel bzw. Wasserkasten | |
Nummerschild | ![]() | Breite unterschiedlich, | Rauchkammer, über Alterschild / unter Eigentumsschild | |
Vorratsschild | ![]() | in Etwa wie Nummernschild | Kohlekasten/Wasserkasten / hinten unten | uneinheitliche Anbringung insbes. bei Tenderloks |








